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Gagillapur: Mehr als ein Standort für Shakti Hörmann

Das soziale Engagement der Hörmann Gruppe in Indien 

Shakti Hörmann und Gagillapur

Im Jahr 2012 übernahm die Hörmann Gruppe den führenden indischen Türenhersteller Shakti Met-Door. Der Betrieb wurde in den folgenden Jahren modernisiert, erweitert und in Shakti Hörmann umbenannt. In relativ kurzer Zeit konnten das Firmengelände, die Betriebsgebäude und die Produktionsanlagen europäischen Standards angepasst werden.

Die Luftaufnahme aus dem Jahr 2014 zeigt Shakti Hörmann mit Blick auf Gagillapur, den Standort der Firma (rechts oben im Hintergrund).

Gagillapur ist eine aufstrebende Gemeinde mit rund 6.000 Einwohnern im Einzugsbereich der 8-Millionen-Stadt Hyderabad im Staat Telangana. (siehe auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Gagillapur)

Viele der rund 300 Beschäftigten von Shakti Hörmann kommen direkt aus Gagillapur oder der näheren Umgebung. Die Infrastruktur des Ortes hält keinen Vergleich mit europäischen Verhältnissen Stand. Sie bewegt sich aber durchaus im Rahmen indischer Standards.

Strassenszenen Gagillapurs

 

Die Bewohner von Gagillapur setzen sich aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen (Kasten, Stämmen etc.) zusammen. Hier wohnen Einwanderergruppen verschiedener indischer Staaten. Der Anteil der katholischen Bevölkerung ist ungewöhnlich hoch. Die Wohnbereiche liegen z.T. weit auseinander. So kann sich nur schwer ein Gemeinschaftsgefühl bilden.

Die ärmere Bevölkerung Gagillapurs hat keinen oder nur begrenzten Zugang zu angemessenem Wohnraum, zu sauberem Trinkwasser, funktionierenden Schulen, und einem entwickelten Gesundheitswesen.

Bestehende Initiativen und Neuorientierung des sozialen Engagements

Zunächst führte Hörmann die Entwicklungsprojekte fort, die auf Anfrage der Gemeinde von den bisherigen Eigentümern des Betriebes realisiert werden konnten.

Mithilfe dieser Förderung wurde insbesondere die Wasserversorgung des Ortes verbessert.

Das Unternehmen entschloss sich aber bald, akute Hilfszusagen mit einem sorgfältig geplanten, längerfristigen Beitrag zur sozialen und kulturellen Entwicklung seines Standortes zu verbinden.

Mit dem Engagement in Gagillapur beschreitet Hörmann neue Wege im Bereich Corporate Social Responsibility. Im Gegensatz zu früheren Projekten, wo konkrete Bauten oder Anschaffungen finanziert wurden, möchten wir nun einen Prozess mit dem Ziel in Gang setzen, die Gemeinde Gagillapur auf allen Ebenen nachhaltig weiterzuentwickeln.“ (Martin J. Hörmann)

Es wurde deutlich, dass ein wechselseitiger Lernprozess dafür die Voraussetzung war und die Firma schon in der Planungsphase nennenswerte finanzielle Mittel zur Verfügung stellen musste.

Die Neuorientierung des sozialen Engagements der Firma wurde u.a. durch Kontaktaufnahme zu massgeblichen Vertretern der Verwaltung und der Zivilgesellschaft Gagillapurs im Jahr 2014 vorbereitet.

Februar 2014: Martin J. Hörmann erkundigt sich vor Ort. Er wird von Srinivas Naik, dem Bürgermeister Gagillapurs und weiteren Führungspersönlichkeiten Gagillapurs über die Bedürfnisse der Gemeinde informiert.

Juni 21014: Martin J. Hörmann besucht die neue katholische Kirche Gagillapurs, die mit Spenden aus Indien und internationaler Hilfe gebaut werden konnte. Pfarrer Antony führt ihn durch den weitläufigen, fast fertiggestellten Kirchenraum.

Ermutigt durch eine langjährige erfolgreiche Entwicklungshilfe im benachbarten Myanmar wendet sich Hörmann nun dem langfristigen, zur Gänze vom Unternehmen finanzierten Entwicklungsprojekt zu, das mit der Regional- und Gemeindeverwaltung abgestimmten wird.

Die Kapazitäten bestehender Selbsthilfevereine und Aktivitäten einzelner Bevölkerungsgruppen, die ähnliche Ziele verfolgen, werden vor Ort erkundet und genutzt. Sie sollen von Anfang an in die Planung einbezogen werden. Die Gemeindeinstitutionen setzen sich zusammen aus Regierungsbeamten, den örtlichen Gemeindevertretern und Gemeindeorganisationen bestehend aus Selbsthilfeorganisationen und Aktionsgruppen. Ihre Zusammenarbeit soll durch fachliche und finanzielle Unterstützung gefördert werden. Es sind dafür weitere staatliche und private Quellen zu erschliessen.

Lorenz Pohlmeier

Erste Planungen und vertragliche Abmachungen

Zur Durchführung des Projektes, das heute den Namen „Mission Gagillapur“ trägt, muss eine verlässliche indische Organisation gefunden werden. Lorenz Pohlmeier, ehemaliger Mitarbeiter der Weltbank und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit nimmt im Auftrag der Hörmann Gruppe an der Projektentwicklung beratend und organisierend teil.

Im Jahr 2015 wird der renommierten indische Entwicklungsagentur APMAS eine soziologische Vorstudie übertragen. Sie hat schon mit anderen Dorfentwicklungsprojekten konkrete Erfahrungen gemacht. Die Organisation mit Standort Hyderabad unterhält sowohl zur Regionalregierung als auch zu kommunalen Einrichtungen gute Beziehungen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Selbsthilfegruppen ist ihr vertraut.

Dr. K. Raja Reddy von APMAS bespricht sich mit offiziellen und faktischen Führungspersönlichkeiten des Ortes.

APMAS legte zum Jahresbeginn einen Bericht vor. Darin werden ausgehend von einer ersten Bestandsaufnahme der demographischen, wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Verhältnisse Gagillapurs erste Planungsschritte entwickelt.

Hörmann beauftragte APMAS daraufhin, die „Mission Gagillapur“ zu konzipieren und in einzelne praktische Entwicklungsphasen umzusetzen. Im Mai 2016 unterzeichnet Hörmann dafür einen formellen Kooperationsvertrag.

Martin J. Hörmann und K. Madhava Rao, Chairman von APMAS bei der Vertragsunterzeichnung

APMAS schliesst seinerseits ein Abkommen mit der Distriktregierung, das der „Mission Gagillapur“ einen offiziellen, staatlich begrüssten und unterstützten Status verleiht.

Unterschriftszeremonie gelegentlich des Abkommens zwischen APMAS und dem Rangareddy District. Teilnehmer (von rechts): Sri M.Raghunandan Rao, District Collector, K. Madhava Rao, Chairman von APMAS, C.S. Reddy, Generalsekretär APMAS, (verdeckt) Martin J. Hörmann und Lorenz Pohlmeier

Die erste praktische Phase von „Mission Gagillapur“ beginnt im März 2016.

Im Mai 2016 wird die Wasseraufbereitungsanlage wieder in Betrieb genommenen
(Bildmitte von links: C.S. Reddy, APMAS und Martin J. Hörmann)

Die fortgeschrittene Phase von „Mission Gagillapur“ wird im Sommer 2016 mit dem konkreten Einbeziehen lokaler Einrichtungen eingeleitet. Viele der rund 60 aktiven Selbsthilfegruppen von Gagillapur widmen sich der Sammlung von Spareinlagen und der Vergabe von Kleinkrediten an ihre Mitglieder.

Die Entwicklungsarbeit vor Ort und ihre Protagonisten

Lorenz Pohlmeier informiert sich bei einer der Kredit-Selbsthilfegruppen von Gagillapur über anstehende Fragen.

Lorenz Pohlmeier besucht eine der Mädchenschulen von Gagillapur.

Das „Team Gagillapur“ ist vor Ort vertreten durch Chandrasekhar Goud, eine Art „Dorfbeobachter“, der den Belangen der Bevölkerung nachgeht, sie informiert und mit ihnen gemeinsam die Prioritäten festlegt.

Ein Treffen von Chandrasekhar Goud (Bildmitte mit dunklem Hemd) mit einer der Selbsthilfegruppen von Gagillapur

Mrinalini Shastry ist von Hörmann beauftragt, als Mitarbeiterin von Lorenz Pohlmeier, die Verbindung zum „Team Gagillapur“ auszubauen.

Mrinalini Shastry (rechts)

Mrinalini Shastry mit einer Kindergruppe und im Gespräch mit Frauen von Gagillapur

Das „Team Gagillapur“ widmet sich Initiativen mit unterschiedlichen Themen und Zielsetzungen:

In einer Grundschule…….

….bei der medizinischen Betreuung in Zusammenarbeit mit einem benachbarten Krankenhaus

... beim Begrünen freier Flächen des Ortes durch Pflanzen junger Bäume

... bei einer Veranstaltung mit Jugendlichen zum Thema „Qualifizierung für den Arbeitsmarkt“.

….bei der Aktion „Unsere Gemeinde soll sauberer werden“

Hörmann hofft mit seinem Engagement einen umfassenden, langfristigen und nachhaltigen Prozess in der unmittelbaren Umgebung seines Werkes anstoßen und vorantreiben zu können. Zu diesem Zweck wurde ein „Village Development Comittee“ (Komitee für Gemeindeentwicklung) von Gagillapur gegründet und aktiv unterstützt.

Teil dieses Prozesses wird auch sein, ärmeren Bevölkerungsgruppen des Ortes Zugang zu verschaffen zu bestehenden staatlichen Sozial- und Förderprogrammen.

Ein langer Atem ist erforderlich.

In den nächsten Jahren hängt vieles davon ab, dass die Verantwortlichen des Ortes und die Gemeindemitglieder diesen Prozess zunehmend eigenständig vorantreiben und weiter ausbauen.